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Wales- Dragon Rallye


Die Dragon Rally - Eine Winterreise nach Wales           Wales 1998

Wales 1998Es begann mit einem Programmheftchen des Elefantentreffens am Nürburgring. Elmar, Rainer und ich hatten beschlossen, zum ersten Mal eine richtige Wintermotorradreise zu machen. Da fiel uns in dem besagten Heftchen ein Hinweis auf: Die Dragon Rally in Wales! Vielleicht war es nur eine Spinnerei, aber der Gedanke faszinierte uns.

Irgendwann schrieb ich dann die Kontaktadresse in Wales an. Einige Zeit später bekamen wir die ersten Informationen und die Planung begann. Unsere Geburtstagswünsche wurden in Reiseführer, warme Winterkleidung und diversen Campingartikeln umgesetzt. Unsere Nachtschichten wurden zu intensiven Reiseplanungen umfunktioniert. Im Spätsommer gönnte ich mir meinen Traum: Eine gebrauchte GSX 1100G mit EML GT2 Boot!!! Kurz vor Weihnachten war alles klar, wir buchten die Fähre und es die Reise konnte im Februar beginnen. Geplant war eine Woche Camping in den Bergen vom Snowdonia Nationalpark, mit meinem GSX-Gespann und der XT660 von Elmar. Das Gespann bekam zum ersten Male Winterreifen und Elmar zog einen neuen Enduro-Hinterreifen auf.

1. Tag:
Der Abfahrtsmorgen war mal wieder typisch für unsere Reisen. Zuerst bauten wir auf die Schnelle einen Gepäckbügel aus alten Zeltstangen, da Elmars Stoffpacktaschen schon auf der Fahrt zu mir am Auspuff schmorten. Dann mußten die plötzlich abgesoffenen Zündkerzen des Gespannes mehrfach trocken zugelegt werden. Schließlich fuhren wir ohne Probleme bei schönstem Frühlingswetter (+10Grad) Richtung Europoort/Rotterdam. Während wir 3 Stunden auf die Fähre warteten, wurde gepicknickt und Wales 1998gefachsimpelt. Ein britischer Motorradhändler namens Tom unterhielt uns mit schönsten Motorradhorrormärchen und wies uns kopfschüttelnd darauf hin, daß es ja schließlich in Wales schneien könnte. Die Motorräder vertäuten wir selber und mit Verspätung fuhr die Fähre um 20.30 Uhr Richtung Hull ab. Nach einem grandiosen Buffet fielen wir todmüde in unsere Schlafsessel. Diese sind ergonomisch so geformt, daß es garantiert keinem Passagier gelingt einzuschlafen. Zu allem Überfluss teilte sich mit uns eine holländische Abschlußklasse den Schlafsaal. Sie übertrafen sich mit der Imitation von exotischen Tierstimmen.

2. Tag:
Gut gelaunt nach einem schönen Frühstück fuhren wir um 9.00 Uhr von Bord. Nach dem Tanken im Hafen wurden wir zum ersten Mal mit dem Linksverkehr konfrontiert, was besser klappte als wir gedacht hatten. Nach ca. 200 km Autobahn passierten wir die ersehnte walisische Grenze. Schafsweiden soweit das Auge reicht. Kleine von Steinmauern umsäumten Straßen, die nach 20%igem Gefälle meist in Kurven oder Steinbrücken endeten. Mit einem Naturschock fuhren wir nach Snowdonia. Leider versteckte sich der höchste Berg Snowdon in den Wolken. Bei Gwyn befuhren wir die Single Roads im Nebel. Ein neues Erlebnis für uns Ruhrgebietler. Bei Beddgelert fanden wir einen traumhaft, in den Bergen gelegenen, Campingplatz, den wir für uns hatten.

Die Besitzer waren sehr freundlich und hilfsbereit, wie übrigens alle Waliser. Wobei unsere Motorräder immer die Eintrittskarte für ihre Offenheit waren. Jeden Tag entdeckten wir neue Dinge. Wie zum Beispiel der LLanberis Paß ist eine schmale Straße, zwischen Capel Curig und Llanberis, die sich kilometerweit durch Schiefer- und Geröllberge windet. Am Wochenende ist dieser Bergpaß bevölkert von Touristen und Gebirgssportlern, aber in der Woche findet man Natur pur und eine Menge waghalsiger Schafe. Mit einen breitem Grinsen im Gesicht durchfuhren wir die Paßstraße, spielten in einem alten Wehrturm aus Ritterzeiten und kamen in LLanberis an. Dort wurde erst einmal Chips und Curry Huhn gegessen. Nach einer Weile stellten wir erstaunt fest, daß die typisch walisische Imbissbedienung aus Essen stammt und seit 20 Jahren hier mit ihrer Familie wohnte. Wales 1998

Die Rückfahrt über Caernanfon entwickelte sich zur fahrerischen Meisterleistung. Um 18.00 Uhr war es stockdunkel und die kleinen Straßen mit ihren uralten Steinmauern versanken im walisischen Nebeldunst. Man wußte nach dem nächsten Straßenhügel nie, ob die Strecke noch schmaler wurde, ob sie an einer Steinbrücke oder in einer Kurve mit Gegenverkehr endete. Meistens kam immer alles zusammen und man hatte das Gefühl als hätte man das Gespannfahren erfunden. Ein riesiger Dachs lief über die Strasse und zwang uns zur Bremsung. Rainer saß vertrauensvoll im Beiwagen, und ich konnte es kaum glauben, dass ich den Weg aus dieser mystischen Nebellandschaft direkt zum Campingplatz fand. Wie jeder Abend endete auch dieser mit einem gemütlichen Abendbrot und warmen Glühwein.

3. Tag:
Am nächsten Morgen fanden wir eine einsame Single Road durchs Naturschutzgebiet des Snowdonia Forest. Die Straße war wie geschaffen für uns Möchtegernabenteurer. Über Schotterpisten fuhren wir stundenlang durch den Wald. Ständig öffneten und schlossen wir unzählige Schafsgatter, passierten kleine Dörfer und fuhren an Moore und Seen vorbei. Am Mittag erreichten wir das Küstenstädtchen Conwy. Eine der schönen alten Städtchen, mit dem garantiert kleinsten Haus von England! Wie jede Stadt hat auch Conwy ein Castle, dessen Besuch uns aber leider verwehrt wurde, da wir wohl einen Ruhetag erwischt hatten. Die Rückfahrt führte uns über Bangor, welches direkt gegenüber der Insel Anglesey lag. Rainers Augen leuchteten! Er fand mitten in Wales einen Aldi-Laden! Heimatliche Gefühle brachen in ihm auf, und das Abendessen war gesichert. Durch die Finsternis fuhren wir über die winzigen Straßen zurück zum Platz und freuten uns auf den nächsten Morgen, der Tag der Dragon Rally!

4. Tag:
Der Morgen begrüßte uns, wie in den letzten Tagen üblich, mit dem schönsten Sonnenschein. In den Anmeldungsschreiben des Conwy Motorcycle Club wurde nur ein Treffpunkt in der Nähe von Capel Curig angegeben. Den genauen Austragungsort des Treffens wurde erst dort bekannt gegeben. Am Treffpunkt standen schon die ungewöhnlichsten Fahrzeuge. Beiwagen, die größer und länger waren als die angeschlossenen, untermotorisierten Uralt-Triumphs. Threewheeler und Scrampler aus den sechziger Jahren. Nachdem wir die Wegbeschreibung und den begehrten Dragonaufkleber bekamen, fuhren wir zum Treffen das nur wenige Kilometer weiter auf hügeligen Wiesen neben einem Flüßchen stattfand. In einem Festzelt bekamen wir neben einer Begrüßungssuppe ein Überlebungspaket (Miniflasche Whisky und ein Snickers) diverse Pins und Andenkenplaketten. Die Mitglieder des Clubs tragen dieses Treffen schon seit über 30 Jahren aus und übertrafen sich mit ihrer Freundlichkeit. Den ganzen Tag verbrachten wir damit über die Wiesen zu laufen, die skurrilsten Fahrzeuge zu begutachten und mit den Besitzern zu fachsimpeln. Am Ende des Tages bereuten wir es doch, das wir zu bequem waren, um hier zu übernachten.

5. Tag:
Der nächste Tag sollte motorradfrei sein. Wir wollten den Snowdon, den höchsten Berg von Wales, besteigen. Laut Reiseführer wurde der 1085 m hohe Berg zum Training der englischen Himalayaexpeditionen benutzt und ist garantiert schneesicher. Ausgerüstet mit einem Rucksack voller Kekse und unserer Erfahrung schon mal in der Eifel gewesen zu sein, stiefelten wir los. Wir nahmen den einfachsten, aber auch den längsten Weg. Auf halber Höhe überraschte uns ein Wind, der uns schneller Wales 1998zurückblies, als wir voran kamen. Wir verloren zwar nicht unseren Humor, dafür aber sämtliche Reserven.. Als wir den Gipfel nach 3 Stunden erreichten, empfang uns der Berg mit schönstem Frühlingswetter und einer grandiosen kilometerweiten Aussicht. Da die Montainrailway-Bahn in den Wintermonaten geschlossen war, blieb uns nichts anderes übrig als wieder hinab zu gehen. Unterwegs überraschten uns immer wieder Mountain-Läufer, die nichts besseres zu tun hatten, als entlang der Bahnlinie den Berg hoch zu joggen. Nach 2 Stunden Abstieg ergoß sich ein schwarzer Wolkenbruch über uns und wir waren froh nicht mehr auf den Gipfel zu stehen. Glücklich und erledigt wurde abends im Zelt gegessen.

6. Tag:
Der nächste Tag wurde der Insel Anglesey gewidmet. Dort gab es neben einem Hügelgrab auch den Bahnhof mit dem Längsten Namen der Welt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndobwllllantysiliogogo hieß das Städtchen das wir ansteuerten. Die Insel ist mit einer kurzen Brücke mit Bangor verbunden. In dem schmalen Meereskanal entdeckten wir eine Friedhofsinsel, auf der wir über 100 Jahre alte Seefahrergräber fanden. Das Bahnhofsschild entpuppte sich zwar als wahrhaft längstes Schild, war aber genauso unspektakulär wie das Fish und Chips-Essen gegenüber. Das Hügelgrab bei Bryn-Celli-Ddu, fanden wir erst nach einem ausgedehnten Fußmarsch über eingezäunte Kuhweiden.

7. Tag:
Am nächsten Tag war der Tag der Rückreise. Wir verabschiedeten uns von unseren Campingwartpäarchen, nebenbei erfuhren wir das es Leute gab, die seit 10 Jahren hierher fahren und es immer noch nicht geschafft hatten, den Snowdon zu besteigen. da das Wetter meist zu schlecht war. Anfangs bummelten wir auf der Rückfahrt und machten noch einen Abstecher zu den Swallow-Falls. Aufgrund einer Busladung Touristen und einem stattlichen Eintrittsgeld, verzichteten wir jedoch auf den Besuch. Die Zeit wurde immer knapper und so rasten wir durch England. Pünktlich zum Abfahrttermin erreichten wir Hull, um jedoch festzustellen, daß die Fähre mal wieder 2 Stunden Verspätung hatte. Ausgerüstet mit unseren Therm-a-rest Matten bezogen wir den Schlafsesselsaal. Erstaunt entdeckten wir Abschlußklasse der Hinfahrt, die aber nach einer Woche England wesentlich ruhiger war als auf der Hinfahrt.

Die letzten Kilometer von Rotterdam nach Hilden waren so gnadenlos normal, wie eine Autobahnfahrt nur sein kann. Zusammen gerechnet hatten wir während unserer Wintertour ganze 5 Stunden Regen und die Temperaturen fielen nie unter +6 Grad. Wales war ein einmaliges Natur- und Motorraderlebnis und wir werden auf jeden Fall noch einmal hinfahren.

Kaum Zuhause stand unser nächstes Februarziel schon fest: Schweden im Februar 1999!

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