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Auf in den Osten
Nach etlichen Gespannwintertouren wollten wir die nächste Winterreise auf Solomaschinen bewältigen. Unsere 1100er Solos kamen für diese Tour nicht in Frage. Die Maschinen müssen klein und leicht sein, außerdem alt und unverwüstlich, falls wir sie mal in den Schnee werfen sollten. Rainer kaufte sich eine gebrauchte Kawasaki GPZ 305, ich legte mir eine MZ ETZ 250 zu und Elmar war mit seiner XT 600 schon der Big Bike Fahrer im Team.
Die Reise sollte uns diesmal nach Tschechien in den Böhmerwald führen, außerdem wollten wir uns ein paar Tage Elefantentreffen nicht entgehen lassen Am 30.10.02 fanden wir uns am Düsseldorfer Bahnhof ein und fuhren mit dem Nacht-Autoreisezug um 23 Uhr nach München. Um diese Zeit ist die Zugverbindung dermaßen günstig, so dass es sich kaum lohnt die Strecke selbst zu fahren. Für die Bahnbediensteten waren wir die ersten Motorradfahrer im Jahr und waren eine willkommene Abwechslung, um das Verzurren von Motorrädern für die kommende Saison zu üben. Das Gepäck blieb auf den Maschinen und nachdem unter unseren kritischen Blicken alles befestigt war, bezogen wir unser Liegeabteil. Die Zugfahrt verlief relativ ruhig, ich weiß allerdings bis heute noch nicht wie andere im Zug schlafen können? Mitten in der Nacht wollte eine ca. 80 jährige Oma zu Rainer ins Bett krabbeln, aber wir konnten sie überzeugen das dies nicht ihr Abteil war.
Nach einem kleinen Frühstück erreichten wir um 8 Uhr München Ost. Wir schlüpften durch das morgendliche Verkehrschaos und fuhren bei schönstem Sonnenschein die nächsten 200 km nach Thurmansbang Solla.
Das Elefantentreffen Die Fahrt führte uns auf der Landstraße durch Vilsburg, Reisbach, Vilshofen nach Ransberg, einem kleinen Dorf in der unmittelbaren Nähe des Elefantentreffens. Wir mieten uns in dem Gasthof Steinhuber ein, laden das Gepäck ab und fahren sofort zum Elefantentreffen in 4 km Entfernung. Die Zufahrtstraße zum Gelände ist für Autos gesperrt und wir erreichen das Treffen. Es findet auf dem kesselförmigen Gelände des örtlichen Stockcar-Clubs statt und es liegt überall noch Schnee. Der Eintritt für die 3 Tage kostet 15 Euro und man bekommt neben dem Informationsmaterial den begehrten Aufkleber. Motorradfahrer verschiedener Nationen haben sich dort eingefunden, teilweise mit selbstgebauten Dreirädern, Quadts, urigen MZ- und Russen-Gespannen ausrangierten Krakas aus Armeebeständen und jede Menge Enduros. Aber auch Chopper mit Handprotektoren aus Holz und Pappe! Überhaupt schienen einige von Ihnen Künstler in Sachen Wiederverwertung zu sein. Da wurden Plastikkanister zu Fußschützer umfunktioniert, Dachlatten und Draht wurde gerne als Konstruktionsmaterial verwendet aber auch die professionellen Bastler waren Vorort und benutzten liegende Kühlschränke z.B. als Lastenbeiwagen. Der überwiegende Teil der Teilnehmer bestand aber aus normalen Motorradfahrern die dort ihre Lager aufschlugen. Ganze Zeltstädte mit Kohleöfen, Bierzeltgarnituren, Schweine am Spieß werden aufgebaut. Es wurde mit 14 Grad, das wärmste Wochenende in Januar und aus dem Schnee entstand ein einziger Matsch. Der Stimmung schien es nichts anzuhaben, denn im Laufe der Tage wurden die Hänge matschiger und die Leute mutiger. Einige der Enduro- und Gespannfahrer hatten nur die einzige Tagesbeschäftigung ihre Gefährte die matschigen Hänge herauf zutreiben. Die mitgebrachten Schlitten fanden allerdings doch noch eine Verwendung, denn sie eigneten sich hervorragend zum Feuerholzholen im Slick. Das Fernsehen und das Radio waren auch Vorort und das Bild der hartgesottenen Motorradfahrer in Schottenröcken mit Pelzmützen und die Reporterin mit hochhackigen Absätzen im Matsch war ein Anblick den wir so schnell nicht vergessen können. Alles in allem war das Treffen 3 Tage lang eine gelungene, gut organisierte, friedliche Massenveranstaltung auf der alle ihre Freiheiten und ihren Spaß hatten.
Auf nach Tschechien in den Böhmerwald Von Ranzell aus fahren wir auf teilweise verschneiten Straßen bei +18 Grad durch den Bayrischen Wald. Schon bei mancher Sommertour hätten wir uns so ein Sonnenbrillen-Wetter gewünscht. Bei Zellenda Ruda/Bayrisch Eisenstein fuhren wir über die Tschechische Grenze. Wir suchen uns kleine hügelige Straßen und fahren ins Sumava Nationalparkgebiet. Jeden noch so kleinen Waldweg und jede Bachdurchquerung nutzen wir aus. Am Nachmittag wird auf der Staumauer bei Nyrsko eine ausführliche Pause im Sonnenschein gemacht.
Gegen 17 Uhr machen wir uns auf Zimmersuche. Ein Reitergut ist zu dieser Jahreszeit nicht auf Gäste eingestellt und wir folgen einem der zahlreichen Hinweisschilder " Zimmer frei". Als wir an einem Privathaus klingeln, begrüßt uns ein riesiger, lockenbehafteter verwegener Bursche mit einem ergiebigen Redeschwall. Da er weder English noch Deutsch spricht, und wir weder Tschechisch noch Russisch sprechen, entsteht eine Unterhaltung mit Händen und Füßen. Langsam kommen uns Zweifel auf und nachdem er uns eine lange Zeit alleine im Flur stehen lässt haben wir die Befürchtung dass erst die Großmutter ausquartiert werden muss, ehe wir ein Zimmer bekommen. Ein Blick in die Wohnung lässt uns alle den gleichen Gedanken haben und wir verschwinden. Die Unendschlossenheit des großen Kerls beschert uns im nächsten Dorf ein traumhaftes Appartement mit Frühstück und Sauna für 10 Euro pro Nacht. Von wegen harte Wintertour, so lässt es sich leben. Unseren ursprünglichen Plan, jeden Tag eine neue Unterkunft zu suchen verwarfen wir und machten von dort aus Tagestouren, auf diese Weise konnten wir länger unterwegs sein und müssen nicht täglich eine neue Unterkunft suchen.
 Der Böhmerwald Unsere Pension liegt in Petrovice bei Susice, von dort aus fahren wir nach Suri/Böhmerwald. Wie immer lassen wir keinen Feldweg aus, aber nach einer schönen Enduroeinlage verweigert die MZ zum ersten Mal ihren Dienst. Mitten auf einer Waldwiese wechseln wir die Zündkontakte, um anschießend festzustellen dass die DDR-Qualität der Ersatzkontakte ziemlich miserabel ist. Also werden die alten Kontakte gebogen, gereinigt und wieder eingebaut. Seitdem springt die MZ beim ersten Kick an und es geht weiter über die Hügel. Die tschechischen Ski-Gebiete bestechen uns mit traumhaften Ausblicken und mit Schneelosigkeit. Die stellenweise vorhandenen Schneefelder zeugen von den Schneemassen die noch vor einigen Wochen die Region beherrschten.Durch die zuvor verstellte Zündung verbrauchte die MZ mehr als erwartet und mitten im Wald blieb sie wegen Spritmangel stehen. Glücklicherweise ging es überwiegend bergab und ich lasse mich die letzten 11 KM rollen oder von der XT ziehen. In Vimperek wird aufgetankt und wir besuchen die alte Burg in der Abenddämmerung. Auf dem Rückweg fälll die XT aus. Auf einem der alten Waldparkplätze untersuchen wir das streikende Motorrad. Einer der Vergaseransaugflansche ist eingerissen und zieht Nebenluft. In der Dunkelheit fallen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und mit Hylomar, Isolierband und steifen Fingern dichten wir den Flansch ab. Nun aber schnell zur Pension zurück, ab in die Sauna und dann zum reichlichen Abendessen in den nahe gelegenen Gasthof. Wie in ganz Tschechien sind auch hier die Preise super günstig. Ein Abendessen mit Getränken und Nachtisch kosten hier nur 5 Euro.
Motorradmuseum in Karspe Hory Der Vater der Wirtin erzählt uns von einem Motorradmuseum in Kasperske Hory. Wir werden hellhörig und fahren sofort hin. Das Museum befindet sich auf dem Dachboden einer alten umfunktionierten Schule mitten im Stadtkern. Leider ist es geschlossen. Als wir gerade die Motorräder besteigen wollen, kommt der Museumsbesitzer und gibt uns eine Privatführung. In dem kleinen Museum befinden sich unter anderem eine dreisitzige Böhmerland, CZs, Javas und BMWs. Neben den Vorkriegs-Zündapps steht eine Polizei-Indian aus den vierziger Jahren! Als unsere Blicke eine Ural Gespann treffen, sagt der Besitzer nur ”Scheiß Moto, Damenarbeit!” und zeigt auf die Schweißnähte und eiernde Radaufhängung des Seitenwagens. Er scheint nicht viel für die Qualitätsarbeit der großen Brüder aus dem Osten übrig zu haben. Nach der Museumstour fahren wir auf den 1065 Meter hohen Javornik. Um eine kurze Schneepassage auf den Gipfel zu überbrücken, montierten wir unsere selbstgebauten Schneeketten. Sie bestehen aus 6 einzelnen Kettenstücken die mit Karabinerhaken uns Rad gelegt werden. Anschließend werden alle Einzelketten mit einem Zurrgurt zusammen gezogen und dadurch gespannt. Es funktioniert wirklich sehr gut und wir erreichen den Aussichtsturm auf dem Berggipfel. Unsere Tour endet am Nachmittag wieder in Vimperek, wo wir in einer kleinen Bar ein tschechisches Mittagessen zu uns nehmen. Den Nachmittag verbringen wir stundenlang auf Forstwegen im ursprünglichen Böhmerwald. Als die Sonne über den Baumhorizont verschwindet treten wir den Rückweg nach Petrovice an. 
Vimperek-Ceske Krumlov Nach dem guten Frühstück geht es heute nach Ceske Krumlov. Ceske Krumlov wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Über Vimperek und Prachatice fahren wir über eine neue Straße direkt durch die Natur nach Ceske Krumlov. So eine Stadt haben wir noch nicht gesehen. An fast allen Häusern zieren Wandmalereien die Fassade und die hochtrohnende Burg überragt alles. Die vielen Antiquitäten- und Souvenirläden zeugen von großen Touristenströmen, die uns jedoch zu dieser Jahreszeit nichts anhaben können. Stundenlang streifen wir durch die kleine Stadt, trinken in kleinen urigen Cafes Kaffee und fahren in der Dämmerung zurück.
Pilsen Am nächsten morgen werden die Motorräder für die Fahrt nach Pilsen gepackt. Pilsen ist eine typische Industriestadt. Grau, und schmutzig, die Skoda-Werke beherrschen das Stadtbild in dem wir jedoch immer wieder alte Fassaden und Häuser entdecken. Der alte Stadtkern von Pilsen ist mittlerweile restauriert worden, aber die obligatorische Brauereibesichtigung reisst uns nicht gerade vom Hocker.
Durch den Urwald zum Lipno Stausee Der folgende Tag beginnt mit leichtem Regen, der im höheren Böhmerwald in ein Schneegestöber übergeht. Im Narodni-Sumara Nationalpark biegen wir von den Hauptstrassen ab und fahren stundenlang durch die Einsamkeit. Wege, die nur für Waldarbeiten dienen, nehmen wir in Angriff. Erstaunlich wie viel Schnee hier noch liegt. Im Laufe des späten Nachmittages erreichen wir den Lipnostausee, das Badeparadies des Böhmerwaldes und betrachten die Hausboote im teilweise noch zugefrorenen See. Wir genießen die menschenleere Stille und fahren zufrieden und müde zurück. Ceske Budejovice (Budweiß). Die 100 KM schafften wir in 90 Minuten. Absoluter Rekord, entweder lag es an der MZ, an dem schönen Wetter oder daran das Rainer und Elmar den Namen Budweiß einfach liebten. Die Stadt hat einen besonderen Flair und einen traumhaften alten sehr gut restaurierten Stadtkern mit kleinen Gassen und einem historischen Marktplatz. Beeindruckend sind die alten Fassaden hinter denen sich moderne kleine Einkaufszentren verbergen. Diese Stadt lebt auf. Auf der Rückfahrt besichtigen wir das Schloss Hluboka, nur 6 KM von Ceske Budejovice entfernt. Dieses Schloss wurde im 13 Jahrhundert erbaut und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut. Von 1839-71 wurde es schließlich im Stil der Tudorgotik dem Windsorschloss inklusive englischen Garten nachempfunden.
Der Tag der Emme Nach der netten Verabschiedung unserer Pensionswirte, fahren wir eine große Schleife über Klatowy, Domestice nach Fürth. Unterwegs finden wir eine alte Burgruine, die wir erobern müssen. Aber nach dem Spaziergang springt die MZ nicht mehr an. Bei jedem Ankicken brennt eine Sicherung durch. Nach einer halben Stunde finde ich des Rätsels Lösung. Unter dem Tank ist ein Kabel durchgescheuert und bei einer Bewegung wie z.B. das Antreten, entsteht ein Kurzschluss.
Na ja, jetzt aber los Richtung München. Nach dem Abendessen in Erding geht es weiter. 40 km vor dem Bahnhof München schiesst ein Schatten an meinem Fuß vorbei. Nachdem Rainer mich angehält, merke ich beim Runterschalten, dass der Schatten mein Schalthebel war! Also, zurück mit schleifender Kupplung. Es ist mittlerweile stockdunkel, aber wir finden den Schalthebel unversehrt auf der viel befahrenen Straße Hebel einbauen und weiter geht’s, denn langsam wird die Zeit knapp, der Zug wird wohl nicht auf uns warten. Aber dann geschieht es, durch die Schleiftour ist die Kupplung zu heiß geworden und rutscht nun ständig durch. Nach ca. 5 KM mit dem Höchsttempo von 30 Stundenkilometer geht gar nichts mehr. Kupplung kaputt und kein Sprit mehr. Kurzer Hand holten wir das Abschleppseil heraus und die XT wird zum Traktor umfunktioniert. Kein Polizist weit und breit, mit 50 Stundenkilometer quer durch München schaffen wir auf die Minute die Autoreisezug- Verladung. Mopped auf den Waggon, Klappe zu und schon fährt der Zug los. Erleichtert sinken in unsere Abteilsitze.
Tschechien ist ein schönes und günstiges Land mit sehr viel unberührter Natur. Man sieht überall, dass das Land im Umbruch ist, die Leute sind hier herzlich und hilfsbereit. Unsere Maschinen waren so wie wir es haben wollten. Die XT war der gutmütige Traktor. Der alles mitmachte sehr viel Drehmoment besitzt und einen Spritverbrauch von unter 5 Litern hatte. Bis auf den Ansaugstutzen gab es auf den 2000 km keine Defekte. Die Kawasaki 305 war das ideale Reisemotorrad. Kaum Gewicht, 27PS und teilweise ein Verbrauch von 3 Litern. Die alte MZ war trotz ihrer Modifikationen (3 Zoll Vorderrad, Endurobereifung, Einzelsitzbank, Endurolenker usw.) unser Sorgenkind. Auch der Spritverbrauch von 6,5 Litern war im Vergleich mit den anderen Motorrädern zu hoch. Nun ja es ist eben eine MZ.
Das nächste Ziel für 2003 steht schon fest. Diesmal fahren wir zum Motorradtreffen nach Schloss Augustusburg, dann durch Tschechien in die Slowakei .
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