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Quark Mark - auf Stahl gebaut
 

Die Sonnenstrahlen, der untergehenden Abendsonne, wärmen in einem satten Orange die Berggipfel der Vogesen. Weit in der Ferne hört man das sonore Motorengeräusch der kernigen Maschinen. Immer lauter wird das Geräusch, wie an einer Perlenkette aufgereiht fliegen sie vorbei. Einer nach dem anderen, gleiten die Reiter auf ihren schweren Bikes gemächlich durch die Kurven. Ein eingespieltes Team - jeder hält die Ideallinie, ein vorausschauendes Fahren prägt die Gruppe, sechs Freunde die sich seit Urzeiten kennen, die zusammen arbeiten, ihren jährlichen Männerausflug gestalten und die seit Jahren zusammenfahren. Diese Motorradgruppe verschmilzt mit der Straßenführung.

 

Aber ganz am Ende, der souveränen Männer-Combo, wackelt wie ein nervöser Lämmerschwanz, als Schlusslicht Mark. Mark ist mit fast 20 Jahren Altersunterschied der Jüngste in der Truppe. Er lässt sich gerne zurückfallen, um sofort wieder mit kräftigem Gasstoß aufzuholen. In der Kurve legt er sich so ins Zeug, das seine Knie garantiert am Asphalt schleifen. Übermütig lässt er den Motor seiner Buell aufbrüllen und wechselt selbst auf der Geraden vom rechten, zum linken, zum rechten Farbahnrand. Er freut sich, dass ihn die alten Herren mitgenommen haben. Jede rote Ampel wird mit einem gekonnten Stoppie begrüßt und das grüne Licht mit einem spektakulären Wheelie verabschiedet. Mark ist ein Künstler auf dem Bike , ein halber Stuntman. Er hat’s einfach drauf!Uns lässt es kalt, wir kennen Mark lang genug. Ein Blick von Heiner, seinem BMW fahrenden Vater lässt ihn ganz schnell wieder Einhalt gebieten. Er tänzelt zurück ans Ende der Kolonne.

 Der Männerausflug macht hungrig und ehe wir wieder zum Campingplatz zurückfahren, suchen wir den nächsten Discounter- das Abendessen muss eingekauft werden.

 

Highnoon-Stimmung, die Sonne steht noch für ein paar Minuten am Firmament und die Motorradgang fährt in einer Reihe auf den Parkplatz. Die Dorftrinker, am gegenüberliegenden Pommeswagen, verstummen. Mit offenem Munde verschütten sie ihr Bier. Wie auf Kommando klappen die Seitenständer aus und abrupt verstummen die Motoren. Ruhe kehrt ein, die Raben umkreisen den kleinen Dorfplatz.

Wir schauen uns um, nehmen zeitgleich die Helme ab. Wir verlieren unseren Schutzmantel, die harten Kerle werden zu albernden Familienväter, die sich aufgedreht über Straßenbeläge, Überholmanöver und Fußballergebnisse unterhalten.

 

Als Mark den Helm abnimmt, verdreht eine Teenagermädchengruppe verzückt die Augen. Einigen Mädchen droht die Ohnmacht. Wohl wissend dass man ihn beobachtet, öffnet Mark seinen engen Schwabenlederkombi und sein muskelbepackter Körper kommt eindrucksvoll zum Vorschein. Mark ist Bodybuilder und macht auf seiner kernigen Buell einen verdammt guten Eindruck. Die Mädchen werden nervös, ein Kichern und Kreischen ist zu hören.

Stolz betrachtet er sich im Schaufenster, nickt sich anerkennend zu, während der dickbäuchige Rest der Altherrengruppe mit dem Einkaufswagen kämpft. Er lächelt, blinzelt den Mädchen zu, sie beginnen zu hyperventilieren.Im Discounter entsteht der übliche Gruppenkampf, fette Koteletts oder dickes Bauchfleisch. Grobe Würstchen oder leckere Spieße. Unsere Gruppe streitet über Fass- oder Flaschenbier. Sechs erwachsene Männer, die allesamt die Brautschau schon lange hinter sich haben, freuen sich auf die gemütliche Kalorienaufnahme am qualmenden Kohlegrill. Seltsamerweise finden wir auch Shrimps, mageres Hühnerfleisch, Müssli und vier Becher Quark im Wagen. Ein verdutzter Blick in die Runde und hinter dem Regal erscheint Mark, mit seiner neusten Beute zur ausgewogenen Bodybuilder-Ernährung.

Unsere Proteste werden ignoriert und er wirft ein dutzend Bananen in den Einkaufswagen. Zurück auf dem Parkplatz verteilen wir die Ware in die Packtaschen und Tankrucksäcke, das Einzige das zurückbleibt, sind vier Becher Quark. Mark stopft sie in seinen engen Motorrad-Kombi und mit lautem Motorengeräusch verlassen wir die Stadt. Kurze Zeit später parken die Motorräder vor unseren Zelten, die Motoren knistern.Ich erblicke Mark und werde stutzig: Mark was ist passiert?

Er schaut sich um, komisch als wenn es noch einen Mark geben würde. Hektisch beginnt er zu erzählen, die Stimme überschlägt sich fast.

 Mir ist da was passiert… Ich hatte extra gewartet bis ihr den Parkplatz verlassen hattet. Die süßen Mädels winkten mir zu und darauf ließ ich die Buell aufbrüllen. Vollgas, Reifenquitschen, burn out und los. Ein sauberer, schwarzer Strich auf dem Asphalt. Danach ließ ich kurz die Kupplung springen und die Buell bäumte sich zum perfekten Wheelie auf.Man, was haben die Mädchen gekreischt, dem Pommesmann ist die Zigarette aus dem Gesicht gefallen, als ich im lässig zuwinkte.Allerdings hatte ich den kleinen Absatz am Ende des Parkplatzes übersehen…. Der Autofahrer musste ausweichen, während ich auf dem Hinterrad fahrend quer über die Straße geschossen bin. Ich wollte noch bremsen, aber meine Füße schleiften bereits hinter mir auf dem Boden und die gezogene Vorderradbremse brachte natürlich gar nicht. Der Gartenzaun kam einfach zu schnell auf mich zu. Die Buell katapultierte hoch, ich lag unten und wie auf einem Gummipuffer landete das Moped. Eh, ich habe das Ding komplett mit meinem Körper abgefangen.

Puh, jetzt weiss ich wofür das jahrelange Training gut war, das Motorrad blieb unversehrt und ich habe nur ein paar blaue Flecken.

 

Wir sind geschockt, Mark beginnt langsam zurealisieren welches Glück er hatte. Minutenlang schüttelt er den Kopf, nur langsam findet er zurück.Oh, oh, oh, war das peinlich! Die Mädels kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, der Dorftrinker prostete mir zu und dann kam der wütende Gartenzaunbesitzer aus der Haustür geschossen. Ich wuchtete die Buell hoch, der Motor lief ja noch, und wie ein Wilder hetzte ich hinter euch her.

So ein Mist, ich hatte gehofft, dass ihr davon nichts mitbekommt, ihr wart doch schon aus dem Sichtfeld. Wie habt ihr das herausgefunden?

 

Das Entsetzen verschwindet aus unseren Gesichtern. Kurze Pause, Erleichterung und dann erschallt ein sechsfaches Lachen über den Campingplatz! Wie ein begossener Pudel steht er vor der grölenden Gruppe. Prustend, lachend und von seltsamen Gluckslauten begleitend, zeigen wir mit den Fingern auf Ihn. Er blickt hinunter auf seinen Kombi, aus allen Ritzen quillt der Quark.

A new star is born: Quark Mark!